Während
der letzten Jahre fand das Thema Geschlecht und Berufsbildung
in den nordischen Staaten keine grosse Beachtung. Einerseits
wurden Themen wie die Wissensgesellschaft oder die individuelle
und industrielle Konkurrenzfähigkeit in einer globalisierten
Ökonomie fokussiert, andererseits schuf der zunehmende
feministische und postmoderne Diskurs über die kulturelle
Konstruktion der Geschlechter nur marginale Interessen für
die Berufsbildung. Dieser Beitrag hat zum Ziel, auf historische,
anthropologische, soziologische, philosophische und pädagogische
Studien hinzuweisen, welche die Forschung zu geschlechtsspezifischen
Fragen in der Berufsbildung revitalisieren können und aus
der früheren Diskussionsphase, als der Fokus auf der Geschlechtersegregation
auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungssystem lag, weiterführen.
Der erste Teil des Beitrages
stellt die Berufsbildung der nordischen Staaten aus der Geschlechterperspektive
dar, wobei Finnland besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird.
Im zweiten Teil werden Anstrengungen beschrieben, die geschlechtsspezifischen
Unterschiede zu erklären und zu überwinden. Drittens
wird ein kultureller Zugang vorgeschlagen, um die geschlechtsspezifischen
Unterschiede diskutieren zu können. Anschliessend wird
die Frage nach den Möglichkeiten einer geschlechtsunabhängigen
Berufsbildung gestellt. Die Hauptaussage des Beitrages ist,
dass das Thema Berufsbildung und Geschlecht bei der Revitalisierung
der Forschung in einem breiteren kulturellen Kontext reflektiert
werden muss und die Perspektive beider Geschlechter (die gesamte
Geschlechterordnung) in die Analysen einbezogen werden muss. |