Im Anschluss an die
Ergebnisse der Studien PISA 2000 und 2003 fragt die Interventionsstudie
Lese- und Schreibkompetenzen fördern nach der Effektivität
von schulischen Massnahmen für die Leseleistungen von
Kindern und Jugendlichen, wobei ein umfassendes (nicht einzig
auf Funktionalität ausgerichtetes) Modell von Lese-kompetenz
zugrunde gelegt wird.
Konkret sind in 61 Schulklassen (3./4. und im 7./8. Schuljahr;
ca. 1’100 Schüler Innen) zweierlei Unterrichtsmethoden
zur Anwendung gekommen: einerseits die Förderung im Rahmen
einer offenen Anlage, welche interessegeleitetes, individuelles
Lesen unterstützt, und andererseits ein eng geführtes,
systematisches Trainingsprogramm.
Zur Messung der Lernfortschritte dient ein Ensemble von Instrumenten:
Mit Fragebögen werden Einstellungen und literales Verhalten
in der Freizeit erhoben, literale Leistungen werden mit verschiedenen
Testinstrumenten (Stolperwörtertest, ELFE und der eigens
entwickelte Test zur Ermittlung empathischer Leseleistung TELL)
gemessen, so dass differenzierte Resultate zur Wirksamkeit
der verschiedenen Fördermethoden bezüglich verschiedener
Teilstichproben und Teilbereiche von Lesekompetenz präsentiert
bzw. Aussagen zu den Effekten gemacht werden können.
Zum Zeitpunkt t1, nach der ersten Intervention bzw. der Förderung
des interessegeleiteten Lesens in der offenen Unterrichtsanlage,
lässt sich – gegenüber dem herkömmlichen
Unterricht – ein stärkerer Zuwachs der Leseaktivität
und insbesondere des Freizeitlesens beobachten, umgekehrt sind
Basiskompetenzen im herkömmlichen Unterricht besser entwickelt
worden. Zudem zeigen sich differentielle Wirkungen bei Kindern
und Jugendlichen.
Die Gründe, weshalb der interessegeleitete Unterricht
auf der Primarstufe kaum Wirkungen auf Einstellungen, Verhalten
und Kompetenzen haben, sind allerdings noch nicht aufgeklärt.
Möglicherweise ist der Gewinn des interessegeleiteten
Lesens beim frühen Lesenlernen deshalb gering, weil während
dieser Phase der Erwerb der Basisfertigkeiten im Vordergrund
steht und weniger das Interesse an Leseinhalten.
In den bisherigen
Ergebnissen zeigt sich nämlich insgesamt,
dass es sich bei der «Lesekompetenz» nicht um ein
homogenes Konstrukt, sondern um ein Konglomerat verschiedener
Kompetenzdimensionen handelt, wobei sich die dazu gehörenden
Teilfähigkeiten mit unterschiedlichen didaktischen Massnahmen
stimulieren lassen.
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